Jahrgang: Um 1974
Format: 800 x 1000 mm.
Technik: Mischtechnik auf Papier
Auflagehöhe: Unikat / Original
Bezeichnet: Signiert und datiert
Literatur: ---
Anmerkung: Gerahmt (Versand ohne Rahmen nach Absprache eventuell möglich)
Zustand: Feinere Alters-und Gebrauchsspuren, nicht ausgerahmt
Provenienz: Privatsammlung, Bern
Zum Künstler und Werk: Der am 10. Juni 1914 in Zürich geborene Maler und Bildhauer Wilfrid Moser wuchs in einem hochgradig kunstsinnigen Umfeld auf, das seine frühe kreative Entwicklung massgeblich prägte. Im Elternhaus seines Vaters, eines Sinologen und Kunstsammlers, verkehrten namhafte Schweizer Künstler wie Otto Baumberger, Albert Pfister, Henri Wabel und Otto Meyer-Amden, während er bei Ferienaufenthalten im Tessin entscheidende Impulse im Atelier von Marianne Werefkin erhielt. Frühe visuelle Vorbilder fand der junge Moser zudem in Werken von Maurice Utrillo und Georges Rouault aus der väterlichen Sammlung sowie in einer prägenden Retrospektive von Vincent van Gogh im Jahr 1924. Nach einer erfolgreichen Ausbildung als Geiger und einer Anstellung als Konzertmeister in der Zürcher Tonhalle wandte er sich Mitte der 1930er-Jahre intensiver der Malerei zu und reiste durch Marokko und Spanien, wo er die Bekanntschaft des Malers Nicolas de Staël machte. Nach dem Zweiten Weltkrieg liess sich Moser im Jahr 1945 in Paris nieder und fand dort schnell Anschluss an die dynamische Kunstszene der französischen Metropole. Ein tiefer künstlerischer Wendepunkt vollzog sich 1947 durch die Begegnung mit Wols, dessen expressive Bildsprache Moser dazu bewegte, die klassische Figuration hinter sich zu lassen. In den folgenden Jahren entwickelte er sich zu einem führenden Vertreter des europäischen Tachismus und der lyrischen Abstraktion. Er pflegte engen Kontakt zu Künstlerkollegen wie Louis Nallard und fand im Galeristen Jean-François Jaeger von der Galerie Jeanne Bucher einen lebenslangen Förderer. Zu seinem engeren Kreis in Paris, Zürich und seinem Tessiner Rückzugsort Ronco sopra Ascona gehörten wichtige Kulturschaffende wie der Fotograf Ernst Scheidegger und der Schriftsteller Paul Nizon, der Moser treffend als Urbanomanen charakterisierte. In den 1960er- und 1970er-Jahren erweiterte Moser sein Schaffen auf dreidimensionale, farbige Kunststoff-Grossplastiken für den öffentlichen Raum, bevor er schliesslich mit monumentalen Steinbruch-Motiven zu einer raumexpressiven Malerei zurückkehrte. Bis zu seinem Tod am 19. Dezember 1997 in Zürich blieb Wilfrid Moser durch seine Vielseitigkeit und den stetigen Austausch mit wegweisenden Denkern, Kritikern und Malern seiner Epoche eine der profiliertesten Figuren der Schweizer Nachkriegsmoderne.