ALBERT ANKER
(1831 Ins 1910)
Erdbeer-Mareili (Mädchen mit Krug). Um 1884
Öl auf feinem Gewebe, auf Karton aufgelegt
Ca. 27x19 cm, Darstellung; 28x20,5 cm, Karton
Rückseitig mit SIK-Archivnummer 200224 0006
Werkverzeichnis / Gutachten:
Rückseitig mit Echtheitsbestätigung von Albert Ankers Tochter Marie Quinche-Anker.
Das Werk ist beim Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft (SIK-ISEA), Zürich, als eigenhändige Arbeit von Albert Anker unter der Archivnummer 200224 0006 registriert. Ein Ausdruck des beim SIK-ISEA einsehbaren Eintrags ist vorhanden.
Provenienz:
- Schweizer Privatsammlung
- Schweizer Auktionshandel, im 2020 auf CHF 30'000 geschätzt
Ausstellungen:
Ins 1985, Sporthalle, Albert Anker - Der Maler und sein Werk. Gemäldeausstellung aus Anlass des 75. Todestages, Kat. Nr. 219 (verso Etikett).
Zustand:
Tadellos in der Erhaltung. Gerahmt in einem prächtigen antiken Blattgoldrahmen. Sofort präsentationsfähig.
Genereller Hinweis: Antiquitäten und Kunstwerke weisen aufgrund ihres Alters in der Regel Alters-, Gebrauchs- und gegebenenfalls Restaurationsspuren auf. Diese sind altersbedingt und als normal zu betrachten.
Erläuterungen:
Ein für Albert Anker charakteristisches blondes Mädchen aus der bäuerlichen Lebenswelt des Berner Seelandes ein besonders reizvolles und ausdrucksstarkes Gemälde.
Die bisherige Betitelung wurde offenbar mit Albert Ankers gleichnamigem Ölbild «Erdbeerimareili» von 1884 in Verbindung gebracht (vgl. Sandor Kuthy und Therese Bhattacharya-Stettler: Albert Anker - Werkkatalog der Gemälde und Ölstudien, Basel, 1995, S.167, Nr. 323 mit Abb.), obwohl ein unmittelbarer motivischer Zusammenhang nur bedingt nachvollziehbar erscheint. Das SIK-ISEA schlug deshalb ergänzend einen Doppeltitel in Klammern vor. Aufgrund der rückseitigen Echtheitsbestätigung von Ankers Tochter sowie der Betitelung anlässlich der Ausstellung in Ins 1985 wurde der überlieferte Titel dennoch beibehalten.
Ein anderer Zusammenhang erscheint jedoch wesentlich naheliegender: Albert Anker wurde mit der Illustration von Erzählungen Jeremias Gotthelfs beauftragt und schuf hierfür verschiedene Darstellungen aus dessen bäuerlicher Lebenswelt (vgl. Jeremias Gotthelf, Berner Erzählungen, hrsg. von Otto Sutermeister, illustriert von A. Anker, B. Vautier, H. Bachmann, K. Gehri und E. Burnand, Chaux-de-Fonds: F. Zahn, 1894). Das dort wiederholt dargestellte junge Mädchen entspricht in Erscheinungsbild, Kleidung und Charakter dem Mädchentypus des vorliegenden Gemäldes.
Zudem existiert ein Anker Aquarell mit dem Titel «Das Erdbeer-Mareili». Dieses weist eine auffallende motivische Nähe zum vorliegenden Ölbild auf: Beide zeigen ein blondes junges Mädchen in bäuerlicher Kleidung mit einem Krug in den Händen. Vergleichbar sind insbesondere Figurentypus, Kleidung und Frisur sowie der getragene Krug (vgl. Hans A. Lüthy, Albert Anker: Aquarelle und Zeichnungen, mit Beiträgen von Paul E. Müller, Zürich: Verlag Neue Zürcher Zeitung, 1989, S. 48, mit Farbabb.).
Die Bezeichnung «Erdbeer-Mareili» dürfte sich daher weniger auf das gleichnamige Ölbild von 1884 als vielmehr auf die literarische Figur und den von Anker hierfür entwickelten Mädchentypus beziehen.