Eindrückliche und grosse Rudolf Häsler (1927, Interlaken ? 1999, Sant Cugat del Vallès) Radierung, St. Ursenkathedrale Solothurn, vom Künstler handsigniert, bezeichnet «St. Ursen-Kathedrale» und nummeriert 180/200, im Blattgoldrahmen, aus Solothurner Privatbesitz, Sujetmass: ca. 42 x 35 cm, Rahmenmass: 78 x 58 cm, altersentsprechende Gebrauchsspuren, Top-Zustand.
Die fotorealistische Radierung zeigt das frühklassizistische Bauwerk der Solothurner St. Ursen-Kathedrale. Der Blick ist auf die Hauptpforte (das Westportal) mit Treppenaufstieg gerichtet. Die rechte und linke Seite der unteren Treppenstufen ziert jeweils ein Brunnen. Die Hauptfassade setzt sich aus zwei Etagen zusammen. Das unterste Geschoss ist in drei Pforten geteilt. Skulpturen und Reliefs schmücken die Marmorfassade und die Balustrade. Auf der nordöstlichen Seite ist der Zwiebelturm im Hintergrund ersichtlich. Auf dem mittleren Gebälk ist die Inschrift «DEO EXERCITUUM IN SS. MIL. URSO VICTORE ET SOC. REST. S.P.Q.S AN. MDCCLXIX» (Für den Gott der Heerscharen in den heiligen Legionären Urs, Viktor und Gefährten wieder erbaut durch den Rat und das Volk von Solothurn im Jahre 1769). Im Hintergrund der Kathedrale ist die historische Stadtmauer mit dem Baseltor zu erkennen.
Rudolf Häsler war ab 1947 in Interlaken als Primarlehrer tätig. Gleichzeitig nahm er Malunterricht und reiste durch Europa. 1952 gab er seinen Lehrerberuf auf und widmete sich komplett der Kunst. Reisen in die Sahara, nach Sevilla, Granada, Italien, Jugoslawien und Andalusien folgten. 1956 lernte er in Granada die Kubanerin María Dolores Soler kennen. 1957 reiste er mit ihr in ihre Heimatstadt Santiago de Cuba und heiratete sie dort. Fasziniert vom Land, entschied sich Häsler in Kuba zu bleiben und gründete dort eine Familie.
In Kuba erlebte Häsler den Höhepunkt der Kubanischen Revolution von dessen Aufbruchsstimmung er selbst begeistert war. Er wollte sich aktiv an diesem gesellschaftlichen Wandel beteiligen und schloss sich einer Künstlergruppe an, die sich insbesondere der Kunst am Bau widmete. Weiter entwickelte er ein Konzept zum Aufbau einer landesweiten Keramik-Industrie, welches von der Regierung genehmigt wurde. Er stieg zum geschäftsführenden Berater im neugegründeten Nationalinstitut für Kunstgewerbe auf und wurde 1960 zum Direktor befördert. Nach dem argentinischen Revolutionshelden Ernesto «Che» Guevara, der damalige Industrieminister, war Häsler der zweithöchste ausländische Abgeordnete im kubanischen Staat.
Der nachfolgende Wandel der Regierung hin zu einem zunehmend totalitären und militaristischen Regime war für Häsler ernüchternd. Die Geheimpolizei hatte ein Auge auf ihn geworfen und 1963 verlor er seinen Posten. Es wurden gefälschte Dokumente über ihn veröffentlicht, die ihn als ehemaliges SS-Mitglied sowie als CIA Spion der USA verleumdeten.
Häsler zog sich folglich aus dem öffentlichen Leben zurück und konzentrierte sich auf seine Karriere als freischaffender Künstler. 1969 konnte er nach einem langen, nervenaufreibenden Genehmigungsprozess mit seiner Familie aus Kuba ausreisen. Sein Leben in Kuba hielt Häsler in dem 1984 veröffentlichten Buch Kuba ? Freiheit oder Terror: Ein Maler erlebt die Revolution fest.
Ab 1970 lebte Häsler in Sant Cugat del Vallès in der Provinz Barcelona. In den 1990er Jahren führten ihn Studienreisen nach Algerien, Tanger, Wien und in die Türkei.
1989 wurde ihm eine grosse Retrospektive in Barcelona gewidmet. Da viele seiner Gemälde im Zusammenhang mit seinen Reisen durch die arabische Welt entstanden, wird Häsler auch der Schule der Orientalisten zugerechnet.