Jahrgang: 1979
Bezeichnet: Signiert und der Familie Scapa dediziert, namentlich Ted, Meret und den Kindern Tessa, Ghita und Till.
Format: 841 x 594 mm.
Technik: Serigraphie auf Papier
Auflagehöhe: Unbekannt, in dieser dedizierten Version ein Unikat
Zustand: Sichtbare Alters- und Gebrauchsspuren, minimalster Materialverlust
Literatur: ---
Anmerkung: Gedruckt bei Uldry, Bern. Der Versand erfolgt ohne den verglasten Rahmen, welcher jedoch Selbstabholern kostenlos ausgehändigt wird
Provenienz: Von der Familie Scapa direkt vom Künstler übernommen / Privatsammlung, Bern
Zu Künstler und Werk: Jean Tinguely, geboren 1925 in Fribourg und aufgewachsen in Basel, gilt als einer der wegweisenden Pioniere der kinetischen Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts. Nach einer Lehre als Dekorateur und dem Besuch der Allgemeinen Gewerbeschule Basel zog es ihn Anfang der 1950er Jahre nach Paris. Dort schloss er sich der Avantgarde an und erlangte weltweite Berühmtheit durch seine spielerischen, oft ohrenbetäubenden Maschinenplastiken, die den technologischen Optimismus der Nachkriegszeit ironisch hinterfragten. Seine Werke aus Schrott feierten die Bewegung, den Zufall und die Vergänglichkeit. In Paris war er 1960 ein Mitbegründer der Gruppe der Nouveaux Réalistes um den Kunstkritiker Pierre Restany. Im Austausch mit Weggefährten wie Yves Klein, Arman, César, Daniel Spoerri und Christo entwickelte er radikale Ansätze, um den Gegensatz von Kunst und Alltag aufzubrechen. Weniger im Fokus der Öffentlichkeit, aber für sein Gesamtschaffen elementar, steht sein grafisches Werk. Tinguely nutzte Zeichnungen, Collagen und Druckgrafiken nicht nur als Skizzen für seine dreidimensionalen Skulpturen, sondern als eigenständige Kunstform. Seine Briefzeichnungen, farbenfroh, voller Dynamik und anarchischer Energie, vermischten Textfragmente mit abstrakten Linien und Stickern. Sie zeugen von seiner spontanen Kreativität und einer tiefen Verbundenheit zum Medium Papier, das ihm erlaubte, die Bewegung seiner Maschinen in die Zweidimensionalität zu übersetzen. Ein markanter Meilenstein war die monumentale Doppelausstellung mit seinem engen Freund Bernhard Luginbühl im Frankfurter Städel Museum im Jahr 1979. Diese Werkschau demonstrierte die tiefe künstlerische Symbiose der beiden Schweizer Bildhauer, die trotz unterschiedlicher Materialien Tinguelys beweglicher Schrott versus Luginbühls monumentaler Eisenplastik eine gemeinsame Sprache der Materialschlacht und des Humors teilten. Im Städel verschmolzen ihre Arbeiten zu einem begehbaren, kinetischen Gesamtkunstwerk. Diese Schau beleuchtete auch die enge Verzahnung von Tinguelys Skulpturen mit seinen grafischen Entwürfen, die an den Wänden die theoretische Basis seiner Bewegungskunst untermauerten. Seine kollaborative Energie zeigte sich zeit seines Lebens auch in Projekten mit Robert Rauschenberg sowie insbesondere mit seinen Partnerinnen Eva Aeppli und Niki de Saint Phalle, mit der er Grossprojekte wie die Skulptur Hon in Stockholm oder den Strawinsky-Brunnen in Paris realisierte. Bis zu seinem Tod im Jahr 1991 in Bern blieb Tinguely ein unermüdlicher Erfinder, dessen uvre in der Balance zwischen Poesie, Ironie und radikaler Materialität die Kunstgeschichte prägte.