Hast du schon einmal ein Bild gesehen, das dich nicht einfach anspricht, sondern findet?
Dieses Bild hat mich gefunden, ganz unten im süditalienischen Zipfel, dort, wo Apulien langsam ins Meer ausläuft und die Tage ein wenig weicher scheinen. Ich war mit meinem kleinen Fiat 500 unterwegs, ohne Ziel, einfach den schmalen Strassen nach, die sich durch helle Steinlandschaften schlängeln.
In einer ruhigen Ecke, fern vom Trubel, sass eine Strassenkünstlerin. Keine Bühne, kein lautes Tun, nur sie, ein paar Schälchen mit Naturpigmenten das alles wärmer wirken lässt, als es wirklich ist.
Die Farben waren so schlicht wie schön:
Kurkuma, warm wie die goldenen Steine der alten Häuser. Kaffeebraune Erdtöne, weich und ruhig. Ein Hauch Barbabietola, ein zarter rosiger Schimmer, kaum da und doch unverzichtbar.
Mit diesen Farben schuf sie eine Szene, die fast schwerelos wirkt: Zwei stilisierte Figuren, langgezogen, aneinander gelehnt, ganz in diesem Moment versunken. Kein lauter Kuss, eher diese intime Nähe, die entsteht, wenn zwei Menschen sich wirklich fühlen. Beide stehen leicht auf den Zehenspitzen, als würde die Liebe sie ein Stück in die Höhe tragen.
Das Werk trägt etwas zutiefst Mediterranes in sich. Es beruhigt, ohne kühl zu sein. Es ist schlicht, aber voller Seele so wie vieles im tiefen Süden Apuliens. Vielleicht ist es genau diese Stille, die man heute so selten findet.
Jetzt darf das Bild weiterziehen, zu jemandem, der genau diese stille Wärme und Natürlichkeit zu schätzen weiss.